KrBo

Kette rechts und Bremse offen e.V.

Am 17. Juni 2012 schenk mir Bernhard ein blaues Fahrrad.

Es entpuppt sich als ein "Opel Standard", einem Herrenrad mit der Seriennummer 1891988 und lässt sich damit grob auf 1930 - 1932 datieren.

Bernhards Schwiegervater hat mit dem Rad unzählige Kilometer zurückgelegt nachdem er es von seinem Vater geerbt hat.

Trotzdem will Bernhard partout kein Geld für das Fahrrad. Ich werde daher ersatzweise eine Spende an unseren Verein leisten. In Bernhards Namen versteht sich.

Das Opel Projekt

Opel, bis zu dieser Zeit der größte Fahrradhersteller der Welt, baute bis 1936 tatsächlich etwa zwei Millionen Fahrräder. Das Rad mit der Seriennummer 1000000 läuft am 21. Juli 1926 vom Band. Erst nachdem GM die Mehrheit am Unternehmen übernommen hatte, wurde die Fahrradproduktion an NSU verkauft. Eine Schande! Denn bis dahin galten die Räder von Opel als die besten ihrer Zeit. Sämtliche Rekorde wurden damals mit Fahrrädern aus Rüsselsheim aufgestellt. Trotzdem ist am 12.2.1937 Schluss. Danach gibt es zunächst NSU-Opel und später nur noch NSU Räder.

An meinem neuen - alten Fahrrad gibt es allerhand Teile, die im Laufe der Jahrzehnte ersetzt wurden, wobei Pragmatismus natürlich im Vordergrund stand.

Ziel des Projektes ist es nun, die Zeit zurück zu drehen und alles möglichst wieder in den Originalzustand zu versetzten.

Dabei macht mir der Lack, oder besser: "die Lackschichten" zunächst die meisten Sorgen.

Opel_erstes

Bild vom ersten Tag

OpelSchild
Sattel_Opel

Aber auch das Innenlager wird noch Spaß bereiten. Dem Baujahr entsprechend handelt es sich um ein Glockenlager dessen Ausbau früher nur mit brachialer Gewalt funktionierte, da die üblichen Abzieher nicht angesetzt werden konnten. Bei Fahrrädern ab Bj. 1970 gibt es keine Glockenlager mehr. Vieleicht weil man "Spaß" in den siebziegern anders interpretiert als mit einem fünf Kilo Hammer, einem Meissel und voller Wucht durch den Zahnkranz auf die linke Kurbel zu schlagen. Vieleicht aber auch, weil moderne Alu-Kurbeln derartige Gewaltakte gar nicht aushalten würden.

In Ermangelung eines Fünf-Kilo-Hammers und der entsprechenden Treffsicherheit, beschliesse ich einen Spezial-Abzieher zu konstruieren um den man mich 1930 beneidet hätte. Eine Idee dazu ist bereits geboren. Ich muss nur noch genug Flachstahl, ein paar Gewindeschneider und einige hochfeste Schrauben besorgen. Die Zugkräfte versuche ich aus dem Kräfteparallelogramm abzuleiten, das meine Tochter gerade im Physikunterricht zu verstehen versucht.

Trockener Schulstoff wird dann entweder die Kurbel zerreissen oder die Theorien des Physiklehrers beweisen.


Abzieher eigenbau

48 Stunden später weiss ich:

Man kann einen Abzieher für die Kurbel am Glockenlager bauen. Nur leider kann er keine Kurbel abziehen. Er kann sie aber hervorragend verbiegen.

Nicht zu fassen, was 10mm Flachstahl und das Gewinde einer Schraube mit Härte 8.8 (Standard) aushalten. Zum Glück habe ich keine Schraube mit Härte 12 gefunden.

Kurbel macht die Biege

Zunächst habe ich gedacht, der Flachstahl verbiegt sich. Was ja nicht weiter tragisch wäre. Nach ein paar weiteren Umdrehungen ist aber klar, das die Kurbel nachgibt. Ich muss mir selber eingestehen, das einschlägigen Seiten im Internet recht hatten. "Um die Kurbel von einem Glockenlager zu entfernen braucht man einen mutigen Mann und einen dicken Hammer. Wenn das nicht funktioniert, muss man den Mann gegen einen noch mutigeren austauschen."

Also setzte ich schlecht gelaunt die Verlängerung aus dem Ratschenkasten an und dresche mit dem dicken Hammer und Wut im Bauch 3-4mal auf die Kurbel ein. Nach 10 Sekunden liegt das Teil am Boden. Die Konstruktion des Kurbelverbiegers hatte etwa 100x länger gedauert. Keiner soll das nachbauen!

Kurbel ist runter
Lagerschale

Danach müssen nur noch ein paar Schrauben gelöst werden, die man allesamt nicht mit normalem Werkzeug angreifen kann. Dazu sind es immer Linksgewinde die ich immer versuche als Rechsgewinde zu lösen. Was natürlich nicht funktionieren kann. Aber immerhin habe ich an dem Abend viel dazu gelernt und muss jetzt nur noch rausfinden, wie man die Lagerbuchsen aus dem Rahmen entfernt.

Eisstrahl_versuch

Die beste Aktion des Tages war allerdings die Bestrahlung des Rahmens mit Eispallets.

Gleich in meiner Nachbarschaft sitzt eine Firma mit dem schönen Namen "80 Grad minus". Dort wird nicht nur mit Sand sondern auch mit Trockeneis gestrahlt. Und siehe da: ein erster Versuch löst den blauen Lack, nicht aber den originalen schwarzen. Demnächst werden wir sehen, wie viel vom 30er Jahre Lack noch auf dem Rahmen war, bevor er mit blauer Farbe verschandelt wurde.

Wie dieses "Wunder" genau funktioniert, kann man hier nachlesen. Ich bin jetzt jedenfalls zuversichtlich, das alte Opel-Rad wieder hin zu bekommen. Auch wenn es mehr Arbeit macht als ursprünglich angenommen.

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erstes Opel Bild
Opel Stempelbremse
Opel Detail Lenker
Opel Detail Bremse
Opel hinten
Opel komplett Bikeständer
Opel Typenschild
Opel SN
Opel zerlegt Ständer

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Stand: 27.06.2012